Archiv des Monats: September 2009

Whale–Watching zum Dessert…

30.08-06.09.09

Nach einem kurzen zur Wäsche–Aufbereitung und Schreibtisch–Fürsorge genutztem Heim–Intermezzo folgt nun der letzte Akt der diessommerlichen Live–Aktivitäten. Auftakt macht am 30.08. ein Freiluftkonzert in Poitiers, ca. 400 km süd–süd-westlich von Paris. Im dortigen „FUTUROSCOPE“-Park spielen wir vor 8000 gut gelaunten Besuchern bei freiem Eintritt und bestem Wetter eine verkürzte Show, nur etwa 100 Minuten.

Am folgenden Tag begeben wir uns mit Sack und Pack in den TGV nach Paris, um vom dortigen Charles-De-Gaulle-Airport nach La Reunion zu fliegen. Diese Insel ist ein französisches Überseedepartement und liegt im Indischen Ozean, südlich des Äquators und knapp 800 km östlich von Madagaskar. In Deutschland kennt man es kaum, ich war allerdings schon 1992 einmal mit STEPHAN EICHER dort. Schon damals war ich schwer beeindruckt von der hier beheimateten Verschmelzung der Kulturen aus 3 Kontinenten und noch mehr Nationalitäten. Eine Mischung aus Afrika, Asien, speziell vertreten durch Indien und China, sowie Europa / Frankreich. Diese Melange findet sich im Aussehen der Menschen, in der Küche, in der Musik und entsprechend natürlich auch in Architektur und Mentalität. Eine wirklich passende und toll gewählte Location zum „Grande Finale“!

Die Zeitdifferenz beträgt lediglich 2 Stunden, trotz allem sind wir nach durchflogener Nacht (10 ½ Stunden!) alle ziemlich gerädert. Und die Aussicht, am Tag unserer Ankunft auch gleich das erste Konzert zu spielen erfordert Durchhaltevermögen. So geschieht es denn auch in Saint Denis, der Hauptstadt dieser wunderbaren wilden Vulkaninsel. Volles Haus und Multi–Kulti, auch das hiesige Publikum ist total begeistert. Möglicherweise eine stille Solidarisierung zweier Inselvölker unter französischer Vormundschaft…?

Hernach begeben wir uns nach Saint Gilles les Bains, etwa 1 Stunde entfernt und an der Westküste gelegen. Uns erwarten 2 komplett freie Tage in einem Luxus–Wellness Hotel direkt am Strand. Irgendwie war mir das vorher gar nicht bewusst, doch nun bin ich plötzlich mittendrin in einem Traumurlaub, wenn auch natürlich nur ganz kurz. Aber schon von der Strandbar des Hotels aus kann man Buckelwale sehen, die sich mit der klassischen und hoch aus dem Meer herausschiessenden Wasserfontäne ankündigen, wonach sie sich dann mit dem typischen Sprung blicken lassen, gekrönt von der zuletzt wieder in ihr Ozean – Reich eintauchenden, majestätischen Schwanzflosse. In den Küstengewässern, schon unmittelbar auf den ersten Metern bieten sich mir beim Schnorcheln bereits paradiesische Anblicke: Seeschlangen, Stein – , Kugel – und Papageienfische, neben unzähligen anderen bezaubernden Exemplaren, all das noch gekrönt von fantastischen Korallen in allen Farben und bizarren Formen, kurzum: Wahnsinn! Aufpassen muss man neben der Vermeidung von Berührungen mit der ein oder anderen giftigen Gattung vor allem auf die extreme Meeresströmung. Davor wird ständig zurecht gewarnt, drum bin ich nicht mehr als 200 Meter hinausgeschwommen.

Ach ja, der Grund unserer Anwesenheit: gespielt wurde natürlich auch noch, und zwar im ausverkauften Freilufttheater in den Hügeln über Saint Gilles les Bains mit dem atemberaubendem Ausblick über einen Abschnitt der Westküste. Wiederum einem Amphitheater nachempfunden, ist auch hier das Publikum gebannt und begeistert, geradezu erstaunlich, wenn man bedenkt, wie weit wir von Korsika entfernt sind. Die Sprache der Musik ist halt universell, grenzenlos und daher leicht verständlich.

Unsere Abreise gestaltet sich glücklicherweise als halber Urlaubstag, da der Flug wie bereits auf dem Hinweg über Nacht stattfindet. So hole ich mir noch einige letzte Schnorchel–Impressionen. Auch die Wale lassen sich zum Abschied wiederholt blicken. In Paris angekommen, mieten Achim und ich einen Kleintransporter, beladen diesen mit unserer Backline und fahren die 700 Km zurück in die ostwestfälische Heimat. Nach 24stündiger Reise sind wir wieder zu Haus. Mann, war das ein Sommer…..!!!!!

Die meisten Fotos der Sommer-Notizen habe ich selber mit meinem Handy gemacht, aber die meisten Live-Bilder hat DIRK SCHELPMEIER „geschossen“, dafür noch einmal meinen ganz herzlichen Dank!

Korsika Tour 2009 – Ein Resumée

Davon werde ich noch lange zehren, ich hatte eine wunderbare Zeit, und wenngleich der August nicht ganz unanstrengend war, so gaben mir die Geschehnisse doch soviel Input, Sinnesfreuden und Energie, dass auch hier der Ausdruck: TOURLAUB für mich wieder angebracht sein dürfte.

Wie immer rast bei solchen Erlebnissen die Zeit, umso mehr dieses Mal, da wir in 25 Tagen 20 Auftritte und 3 Proben zu absolvieren hatten. Die Eindrücke rauschen nur so vorbei und man findet kaum Zeit zur tieferen Besinnung auf das, was man gerade erfährt. Deshalb habe ich viele Handy-Fotos gemacht, um gewisse Momente später Revue passieren zu lassen. Und genau darum schreibe ich in knappen Sätzen einige der Erlebnisse nieder, also durchaus auch eigennützig…

Was I MUVRINI für mich so einzigartig macht, ist die Tiefe in ihrer von der Basis her traditionell geprägten Musik sowie in den Texten. Hier werden Inhalte Hand in Hand mit intensiven Emotionen transportiert, so spürbar, das es auch mich auf der Bühne immer wieder ergreift und bewegt. Der mediterrane Einfluss fügt seinen Teil hinzu, es wird Jahrhunderte altes, gewachsenes Lebensgefühl und Kultur lebendig erhalten, nicht zuletzt durch moderne Arrangements in Musik und Performance.

Viele junge Menschen konnte ich auf den Konzerten beobachten, ihrem Ausdruck entnahm ich viele glückliche bis träumende Momente. So kommt es nicht von ungefähr, das Künstler wie TINA ARENA, SARAH BRIGHTMAN, STING, STEPHAN EICHER usw. mit ihnen zusammenarbeiten und sie Hallen wie Paris / Bercy mühelos ausverkaufen. Und sie betreiben unglaublichen Aufwand in ihrer Heimat. So waren auf dieser Tour insgesamt 55 Personen stets mit dabei und beschäftigt, 5 Trucks wurden auf Korsika hin und her bewegt. Jedesmal, mit Ausnahme des letzten Konzerts, wurde die eigene Bühne aufgebaut, üppig dimensioniertes technisches Equipment vom Allerfeinsten installiert, wurden die mitgebrachten Stühle für das Publikum aufgestellt und an den Locations eine gewisse Infrastruktur geschaffen. Nach der Wirtschaftlichkeit mag ich da gar nicht fragen. Auf jeden Fall ist die Korsika–Tour ganz sicher auch allerbeste Promotion für dieses Projekt, das Publikum war sehr gemischt, vielleicht halb korsisch, halb touristisch.

So wächst die Legende um die beseelte Gruppe weiter, allen voran JEAN-FRANCOIS BERNARDINI, was für ein Sänger! Ihm gilt sicherlich mein Dank, dabei gewesen sein zu dürfen, am meisten aber danke ich meinem Freund ACHIM MEIER, er hat mich hier vorgestellt und empfohlen. Und ich danke allen Beteiligten, das sie mich so herzlich in ihrer Mitte aufgenommen haben. Bei und mit Euch fühle ich mich sehr wohl und freue mich auf zukünftiges…

Das Finale

Mi.,19.08.09
Schon trifft neuer Besuch ein: Thomas Supper von ORTEGA–Guitars gibt sich die Ehre für einen Kurzbesuch. Er möchte ein Video für die Webpage „Inside Ortega“ anlässlich meiner Tour mit „I MUVRINI“ erstellen, ein kleines Interview mit Hintergründen zu dieser Musik und den Gitarren. Auch sein erster Eindruck, bekommen im schönen kleinen Hafen von Campoloru (Campuloru) an der Ostküste, passt in den durchgehenden Reigen der Konzertbesucher: Begeisterung allerorten, über die Musik, den Sound, das Ambiente.

Do.,20.08.09
Porto (Portu) an der Westküste gilt nicht nur bei Insidern als der wohl schönste Hafen der Insel. Umspielt von steil aufragenden Bergen hat die Hand der Natur hier eine kleine zauberhafte Bucht gemalt. Die Bühne steht längs zum und am Wasser und wir werden Zeuge eines Sonnenuntergangs a la Hollywood. Die Lichttechniker ergreifen die Gelegenheit beim Schopf und lassen vor und nach der Show mit ihren 2 Lasern skurrile Grafiken und Figuren auf den gegenüberliegenden turmbewehrten Felsen tanzen, sehr zur Freude und Unterhaltung des Publikums, vor allem den jüngeren Beobachtern des Spektakels steht das Staunen in den Gesichtern geschrieben. Die Rückfahrt nach Bastia unternehme ich zusammen mit Thomas Supper, der darauf besteht, am Steuer zu sitzen. Daraus werden mehr als 3 Stunden, über engste Bergpässe längs steil abfallenden Schluchten, die wir ob der Dunkelheit nur vermuten können. Dabei müssen wir immer wieder mal den frei laufenden, in diesem Fall zumeist dösenden Kühen ausweichen und legen noch eine Pause auf ca. 1500 Meter Höhe ein, um uns einige Minuten am aller herrlichsten Sternenhimmel zu erfreuen.

Fr.,21.08.09
Heute spielen wir auf dem Gelände einer Glasbläserei in dem Ort Francardo (Francardu). Vorher bin ich noch mit Thomas am Strand von La Marana zwecks eines Video–Interviews für „ORTEGA“. Das Publikum ist besonders euphorisch, vielleicht liegt es an der intimen Atmosphäre, da etwas kleiner……


Unser Bassist und Mit – Sänger „CESAR ANOT“, der sich ganz besonders gut mit meinem Sohn Joshua verstanden hat. Er stammt aus Cote d`Ivoire, lebt in Paris und ist Multiinstrumentalist. Er arbeitet an und mit vielen Projekten, so unter anderem mit der Drummer–Legende TONY ALLEN und Singer / Songwriter DAMON ALBARN von Blur und Gorillaz. http://www.cesaranot.com/


Hier sehen wir LOIC TAILLEBREST, er spielt bei I MUVRINI die verschiedensten Flöten, Dudelsäcke sowie Clarinette.


Unser FOH–Sound Engineer PETER SPIECKER, genannt SPIKO aus Hamburg. Er arbeitet u.a. auch für ROSENSTOLZ, TOKYO HOTEL und STEFAN GWILDIS.


Der smarte GILLES ROSSI aus Bastia, ehemaliger Rallye–Fahrer und zuständig für den Monitor–Sound.


Das ist PIERRE MICHELANGELI, genannt PIERROT, unser Backliner und Spaßvogel.


Der lebenslustige Korse STEPHANE MANGIANTINI ist ein fantastischer Sänger und spielt auch Gitarre.

Ausserdem spielen noch in der Band:

THOMAS SIMMERL aus München, ein sehr präziser und grooviger Drummer & Percusionist. Wir kennen uns seit 1996 (Juliane Werding) und sind seither befreundet. Er spielt noch in unzähligen anderen Produktionen und Bands mit.

LAURENCE DUPUIS aus Paris. Sie ist eine Virtuosin auf der Violine und sozusagen unser charmanter Bühnen – Engel.

Sa.,22.08.09
Wenn ich gemeint habe, die schönsten Korsika – Spots bereits zu kennen, so werde ich heute eines Besseren belehrt. Gemeinsam mit Loic und den beiden Backlinern Pierrot und Manu fahren wir 2 Stunden vor dem Soundcheck zu den Kreidefelsen an der Küste von Bonifacio (Bunifaziu), wo wir hinunter ans Wasser klettern. Das Meer ist hier recht wild und hat mit seiner steten unaufhaltsamen Urgewalt überall Grotten und Höhlen in die Felsen hineingefressen. Welch ein Anblick! Die korsischen Kollegen animieren mich dazu, es ihnen gleichzutun und von den Klippen ins tobende Meer zu springen. Ich bezwinge die anfängliche Nervosität und kriege hernach kaum genug davon. Darüber hinaus erwartet mich unter Wasser eine Fülle von Fischen mit teilweise erstaunlichen Größen. Dabei wird mir noch bestätigt, das ganz in der Nähe Traumstrände mit weissem Sand auf meinen baldigen Besuch warten. Habe ich mir für nächstes Jahr fest vorgenommen……

So.,23.08.09
An diesem Sonntag in Propriano (Propia) geht es vor allem um die Umweltpolitik. So hat I MUVRINI Anfang August eine Single mit dem Titel „Canzona di un Rizzanese“ veröffentlicht. Der Rizzanese zählt zu den schönsten Gebirgsflüßen Europas, er liegt im Südwesten der Insel und mündet bei Propriano ins Meer. Nun hat man begonnen, den Fluß aus Gründen der Energiegewinnung zu stauen und nimmt damit eine beträchtliche Zerstörung der Umwelt in Kauf. Dagegen wird vehement angegangen, wahrscheinlich leider erfolglos. Auf jeden Fall gab es heute bereits eine Kundgebung mit einer Rede von Jean-Francois aus diesem Anlass und das Konzert steht ganz im Zeichen des Protestes mit Unterstützung von u.a.:
AFC (Association pour une Fondation de Corse), Greenpeace, WWF u.v.m.
Der sensationelle Sonnenuntergang leitete das sehr emotionale Konzert gebührend ein.

Mo.,24.08.09
Bei der Gebirgsüberfahrt Richtung Ostküste kommt es wiederum zu vielen Begegnungen Mensch–Tier, dieses Mal aber doch zahlreicher als gewohnt. Traf man sonst vereinzelt Kühe, kleinere Wildziegenherden oder das ein und andere Schwein am Strassenrand an, kam die Schweineherde doch schon fast einer Versammlung gleich, gekrönt von der Ziege auf dem Autodach einer verzweifelten französischen Touristenfamilie.

Als wir in Ghisonaccia ( Ghisunaccia ) ankommen, finden wir viele Mitarbeiter schon in blendender Laune vor. Die Crew – Party ist in vollem Gang, da uns einige bereits heute verlassen, am vorletzten Tag der Korsika – Tour.

So wird noch ein Gruppenbild geschossen, leider fehlen ein paar von uns, es ist aber dennoch eine schöne Erinnerung.

Di.,25.08.09
Hoch im Norden, an der Ostküste der Insel in Erbalunga findet das Abschlußkonzert der diesjährigen Korsika – Tour statt. Übrigens der einzige Auftritt ohne die eigene Bühne und die immer mitgebrachten Stühle, denn das Venue ist – einem Amphitheater gleich – angelegt. Es folgt eine sehr lebhafte, mit kleineren Späßen versehene Show mit enthusiastischem Ausklang, einigen wehmütigen Abschieden hernach sowie vielen logistisch geprägten Diskussionen über: wer nimmt was mit, was kommt wohin, wann und wo braucht man dieses und jenes wieder usw……
Ohne Schlaf breche ich um 05.00 Uhr auf zum Flughafen, im Gepäck neben den gebräuchlichen Sachen unzählige Eindrücke, Emotionen, Inspirationen und Melancholie, aber eben auch Hoffnung auf die nächste Korsika–Tour 2010.


Vorne links und rechts die Brüder ALAIN UND JEAN-FRANCOIS BERNARDINI, in der Mitte ihr langjähriger Mitstreiter STEPHANE MANGIANTINI